Frankfurt/Oder (geh). Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke hatte vorige Woche anlässlich seines 60. Geburtstags zu einem kleinen Empfang ins Rathaus geladen.

Die Freude über den regen Zuspruch auf seine Einladung stand dem Oberbürgermeister förmlich ins Gesicht geschrieben. Fast eine Stunde lang nahm Dr. Martin Wilke Glückwünsche von den Gästen entgegen. Kaum jemand hatte sich an die Bitte des Geburtstagskinds gehalten, keine Blumen mitzubringen, sondern lieber für die Marienkirche zu spenden. Nur gut, dass die Kolleginnen damit schon gerechnet hatten. Sie standen bereit, um ihrem Chef die Gebinde und Geschenke abzunehmen.
Hätte der Oberbürgermeister mit jedem Gast angestoßen, wäre aus seiner kleinen Dankesrede wohl nichts mehr geworden. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit verzichtete Dr. Wilke „auf eine dreistündige Grundsatzrede”. Er nutzte aber die Gelegenheit, sich sehr herzlich dafür zu bedanken, dass alle Anwesenden sich für ihn Zeit genommen haben. In dem Raum, wo sonst immer die Ausschüsse tagen, stand der Oberbürgermeister Menschen gegenüber, die er teilweise schon aus seinen Zeiten im Halbleiterwerk kennt. Aber auch neuere Weggefährten wollten mit ihm Geburtstag feiern. Ganz besonders freute Wilke sich darüber, dass „seine Lieblingsoberbürgermeisterin” den doch recht weiten Weg aus Brandenburg an der Havel auf sich genommen hatte. Dr. Dietlind Tiemann wurde von ihrem Amtskollegen mal so richtig geknuddelt. „Schön, dass wir auch beim Feiern fest zusammenstehen”, sagte er in Richtung Tiemann.
„Aber”, gestand der Oberbürgermeister, „mein Geburtstag wäre nichts ohne meine Frau. Christine Wilke hatte sich für den Empfang im Rathaus extra freigenommen. Das Ehepaar Wilke ist bekannt dafür, sich bei wirklich wichtigen Terminen zur Seite zu stehen.
Und es war ein sehr wichtiger Tag für Wilke, seine Familie und alle Frankfurterinnen und Frankfurter. Denn der Verwaltungschef sagte wie nebenbei, dass er noch einmal acht Jahre als Oberbürgermeister zur Verfügung stehen möchte. Es gebe noch viele Projekte, die er sehr gern für die Frankfurter und mit ihnen zu Ende bringen will. Und augenzwinkernd fügte er hinzu: „Auch, wenn meiner Frau gerade schlecht wird”.
Christine Wilke versicherte der OderlandSpiegel-Redaktion nach dem offiziellen Teil, dass das nicht stimmt. Gemeinsam habe das Paar beratschlagt und abgewägt und beschlossen, dass nur eine erneute Wahl Sinn machen würde. In seiner Ansprache hatte Wilke bemerkt, dass Oberbürgermeister im Land Brandenburg eine besondere, sehr robuste Spezie sein. Das muss Dr. Martin Wilke wohl auch sein. Denn kaum hatte er seinen Hut in den Ring geworfen, kam auch prompt wieder Kritik. Er würde nur noch einmal antreten, um seine Versorgungsansprüche zu sichern. Dem widersprach Wilke auf Anfrage entschieden: „Wenn es mir ums Geld gehen würde, wäre ich nie Oberbürgermeister geworden”.
Der Weg zur erneuten Wahl wird allerdings nicht leicht. Wahrscheinlich muss Wilke als Einzelkämpfer antreten. Denn momentan sieht es danach aus, dass alle etablierten Parteien der Stadt ihre eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Die Entscheidungen dazu fallen frühestens Ende Juni.