Ostbrandenburg (eb/geh). Kranke und sterbende Ferkel, zentimeterhoch mit Kot verdreckte Buchten: Seit Monaten leiden Schweine in einem Mastbetrieb bei Beeskow unter tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen.

Und das unter den Augen des zuständigen Veterinäramtes. Leute der Tierschutzorganisation PETA haben den Betreiber und das Amt bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) angezeigt. Die Tierrechtsorganisation hat die Abgeordneten im brandenburgischen Landtag in einem Schreiben gebeten, sich dafür einzusetzen, das Leid der Schweine zu beenden. Daneben müsse aufgeklärt werden, wie die Behörde derart gravierende Missstände offenbar über Monate hinweg tolerieren konnte.
„Die Zustände in tiernutzenden Betrieben sind branchenübergreifend schlimmer als jemals zuvor“, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei PETA. „Wir bitten die Abgeordneten, sich mit uns dagegen zu wehren, dass der Tierschutz weiter mit Füßen getreten wird.“
PETA hatte Anfang des Jahres und erneut Ende Juni Bildmaterial aus dem Betrieb zugespielt bekommen. Es zeigt neben unhaltbaren hygienischen Zuständen und toten Tieren etliche unterschiedlich alte Tiere, die im so genannten Hundesitz verweilen, der unter anderem ein Anzeichen für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch schlechtes Stallklima, zum Beispiel hohe Ammoniakwerte, sein könne. Ein Schwein weise eine eitrige Augenentzündung auf, andere Tiere seien mit Kratzern übersät. In einer Pressemitteilung schildert PETA weiter: „Zudem wurden Schweine mit blutenden und teils abgebissenen Ohren und Schwänzen vorgefunden - ein Anhaltspunkt dafür, dass die Haltungsbedingungen wohl zu Kannibalismus unter den Tieren geführt haben. Ein totes Tier wird auf dem Video bereits von seinen Artgenossen angeknabbert. Tote Tiere wurden sogar einfach draußen vor dem Stall liegen gelassen. Die Sauen, die zur Zucht benutzt werden, sind in extrem engen Kastenständen (gemessen wurden etwa 58 Zentimeter) so dicht nebeneinander fixiert, dass sie nicht einmal Platz haben, um ihre Beine auszustrecken - obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist”.
Jan Sommer, von den Bündnisgrünen Märkisch-Oderland erklärte zu den Vorwürfen: „Es ist unverständlich, warum trotz Kenntniss der katastrophalen Zustände von Seiten des Veterinäramts nicht umgehend eingegriffen und der Betrieb geschlossen wurde. Die Kontrollinstanzen und -gremien haben zum wiederholten Mal versagt und leider ist dieser Fall kein Einzelfall. Wenn trotz bekannter und dokumentierter Missstände keine Konsequenzen ergriffen wurden, muss die Frage gestellt werden, ob die bestehenden Kontrollinstanzen noch adäquat sind. Der Erhalt von Arbeitsplätzen ist keine Rechtfertigung für Tierquälerei. Wir dürfen bei solchen Vorfällen nicht länger wegschauen, sondern müssen uns für einen besseren Umgang mit Tieren in der Landwirtschaft einsetzen”.