Neuzelle (eb/geh). Am vorigen Montagabend lud die Bürgerinitiative für die Ortsumgehung B112 Eisenhüttenstadt - Neuzelle zur Bürgerinformationsveranstaltung mit Diskussion.

Etwa dreißig Leute folgten der Einladung in die Mensa des Gymnasiums, darunter der Landtagsabgeordnete Andreas Gliese (CDU), Neuzelles Bürgermeister Dietmar Baesler (FDP) und Eisenhüttenstadts Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses Wolfgang Perske (SPD).
In der Einleitung seines Vortrags kam BI-Mitglied Kurt-Rainer Jantke auf die lange Planungsgeschichte des Verkehrsprojekts zu sprechen. Erste Planungen sind bereits bis ins Jahr 1935 zurückzuverfolgen, kamen in den 60er und 70er Jahren in der DDR nochmals auf und danach erst wieder nach der Wende in den 90er Jahren. 2003 wurde das Projekt sozusagen auf Eis gelegt, weil einzelne Stimmen keine Notwendigkeit mehr sahen für die Umgehungsstraße.
Die Bürgerinitiative für die Realisierung gründete sich 2013, um der Mehrheit der Bürger im Ort eine Stimme zu geben und für das Straßenprojekt zu kämpfen. In Potsdam und Berlin waren die Mitglieder seither regelmäßige Gäste, um auf die politischen Entscheidungsträger einzuwirken. Außerdem wurden mehrere Demonstrationen initiiert.
Vor allem der stetig steigende Durchgangsverkehr mit Schwerlasttransportern soll durch die Umgehung drastisch reduziert werden. Kurt-Rainer Jantke führte in seinem Vortrag die vorgestellten Ergebnisse der halböffentlichen Informationsveranstaltung der DEGES aus. Sie ist seit Ende 2016 die zuständige Planungsmanagementgesellschaft des Verkehrsvorhabens. Hier werde noch immer im Vorplanungsstadium der Linienbestimmung verharrt. Erst danach kann es an die Entwurfsplanung und danach Genehmigungsplanung gehen. Über 2,8 Millionen Euro wurden bislang bereits an Geldern in die Planung gesteckt, die durch den Zeitverzug und neue Verordnungen nun aktualisiert werden muss.
Vorgestellt wurden sieben Trassenvarianten für das nach jetzigem Stand 14,4 Kilometer und 16 Brücken umfassende Straßenstück. Einhellig bevorzugt wurde die bereits früher in Planungsunterlagen der DEGES favorisierte zwischen Eisenhüttenstadt und Diehlo sowie Möbiskruge.
Gegenstimmen zum Projekt gab es vor Ort keine. Landtagsabgeordneter Andreas Gliese berichtete von seinem im Mai stattgefundenes Treffen mit Pierre Jacobs von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. An die Minister Kathrin Schneider und Albrecht Gerber ist im Juni ein gemeinsames Schreiben von ArcelorMittal, Lindegas und Propapier gegangen, in dem auf die Notwendigkeit der Umgehungsstraße und die Beschleunigung der Planungen aus Unternehmenssicht gedrungen wird. Zum letzten Plenumstag vor der Sommerpause sprach Andreas Gliese die Ministerin noch auf das Schreiben an, welches ihr allerdings nach eigenem Bekunden noch nicht bekannt war.
Die Bürgerinitiative möchte mit den Bürgern im Gespräch bleiben und sieht sich hierbei gleichzeitig als Sprachrohr und als Schnittstelle beziehungsweise Scharnier zwischen Projektplaner DEGES und Bürgern. Berechtigte Sorgen und Ängste sollen weitergegeben und das Konfliktpotential auf diese Art und Weise möglichst minimiert werden.
Auch wurde zur Solidarität mit besonders betroffenen Bürgern in Neuzelle aufgerufen. Kreistagsmitglied Ralf-Torsten Noack appellierte daran, nicht nur nach dem Sankt-Florians-Prinzip zu handeln und zu sagen: „Bei mir nicht“. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt werden und da müsse auch der eine oder andere der bislang nicht Betroffenen in Kauf nehmen, dass die Straße vielleicht 500 Meter an seinem Haus vorbeigehe und er damit mehr als bisher betroffen sei. Das mache mit Lärmschutzmaßnahmen und Distanz aber dennoch nur einen Bruchteil von dem aus, was Betroffene jetzt zum Beispiel im Slawengrund für Belastungen zu ertragen haben.
Die Bürgerinitiative lud alle ein, an ihrem in der Regel jeden zweiten Montag im Monat stattfindenden Stammtisch ab 19 Uhr im „Prinz Albrecht” teilzunehmen.