Frankfurt/Oder (gla). Der Präsident der Europa-Universität Viadrina geht zurück in die Wissenschaft.

Zum 1. Januar 2018 wird Professor Dr. Alexander Wöll sein Amt niederlegen. „Auch während meiner Amtszeit als Präsident war es mir wichtig, weiterhin wissenschaftlich tätig zu sein – ein auf Dauer unterschätzter Spagat“, begründet der Slawist seinen Entschluss. „Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Europa ist für mich – nach wahrlich nicht leichter persönlicher Abwägung – jetzt der Zeitpunkt gekommen, mich wieder mit ganzer Kraft der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Osteuropa zu widmen.“
Professor Dr. Alexander Wöll trat im Dezember 2014 das Amt des Präsidenten der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) an. Zuvor hatte er an der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Universität eine Professur für Ost- und Westslawische Philologie inne und war dort seit 2010 Dekan der Philosophischen Fakultät. Bis 2008 hatte Wöll in Oxford gelehrt.
„Ich bin überzeugt, die Europa-Universität Viadrina gut aufgestellt zu übergeben“, teilt Alexander Wöll mit. Am 1. Dezember 2017 wird Niels Helle-Meyer Kanzler der Viadrina. Wölls erster Stellvertreter Professor Dr. Stephan Kudert übernimmt am 1. Januar 2018 kommissarisch das Amt des Präsidenten.
„Ich bin sehr dankbar für die spannende Zeit als Präsident an dieser internationalen Universität mit ihren vielen überaus engagierten und kreativen Studierenden“, so der scheidende Präsident. „Besonders dankbar bin ich auch für die vielen guten Begegnungen mit den Menschen aus der Region und die großartige Unterstützung aus der Stadt.“
„Mit Alexander Wöll verliert die Viadrina einen profunden Kenner Osteuropas“, findet Frankfurts Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke. „Alexander Wöll ist es insbesondere gelungen, den Blick auf die Ukraine zu weiten und deren Rolle als Anrainer der EU ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dass er sich angesichts der vielfältigen Herausforderungen und Chancen der EU nun wieder der Forschung widmen möchte, ist verständlich. Gleichwohl hoffe ich, dass er der Universität und Stadt als Freund und Unterstützer verbunden bleibt.“
Auch Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch bedauert die Entscheidung. In einer Pressemitteilung würdigt sie die Brückenfunktion der Europa-Universität nach Polen und ihren guten Ruf bei gesellschaftswissenschaftlichen Themen. „An dieser Entwicklung hat Alexander Wöll als Präsident einen bedeutenden Anteil“, so die Ministerin. „Das unter seiner Führung gestaltete Jubiläumsprogramm zu 25 Jahren Europa-Universität Viadrina hat das enorme Potenzial der Universität in Forschung und Lehre eindrucksvoll gezeigt und die Vernetzung der Hochschule in der wissenschaftlichen Gemeinschaft, in der Region und mit den Absolventen und Ehemaligen erheblich gestärkt. Ich danke Professor Wöll sehr herzlich für sein Engagement und wünsche ihm für seine weitere wissenschaftliche Arbeit viel Erfolg.“
„Mit Alexander Wöll verliert Frankfurt eine Persönlichkeit, die sich in den vergangenen drei Jahren für Stadt und Universität eingesetzt hat und auch überregional als Botschafter für Frankfurt eingetreten ist“, sagt Wolfgang Mücke, Vorsitzender des Frankfurter Kreisverbands der FDP. „Für das weitere Miteinander von Stadt und Universität wird es darauf ankommen, wichtige Projekte wie die geplante vierte Fakultät, aber auch die Entwicklung des Campus-Geländes in der City zu realisieren, die mehr Studenten ins Zentrum zieht und hier hält.“