Eisenhüttenstadt (hn). Trotz eisiger Kälte ließen es sich viele Interessierte nicht nehmen, ins Städtische Museum zu kommen, um den Vortrag von Prof. Jürgen Udolph über seine Forschungen zum Thema Familiennamen zu hören.

Der aus dem Rundfunk bekannte Moderator hatte dann auch so manche Überraschung bezüglich der Herkunft und Deutung von Namen parat. Mit Blick auf die Entwicklung der Sprache über viele Jahrhunderte, dem Hinweis auf verschwundene Wörter und andere Einflüsse erläuterte er die Entstehung von Namen und die Veränderung von Schreibweisen in historischen Zeiträumen. Dabei kam zutage, dass sich, ausgehend von heutiger Schreibweise und Annahmen, oftmals Fehldeutungen ergeben, wie zum Beispiel bei den Namen Kaiser und König. „So viele Kaiser und Könige wie es heute gibt, können die Kaiser und Könige früherer Zeiten gar nicht als Nachkommen gehabt haben”, sagte Udolph. „Diese heutigen Namen beruhen auf der Vermutung, dass jene, die sie zugeordnet bekamen, wie Kaiser oder Könige auftraten, also eher überhebliche Menschen waren”, schätzte der Experte ein.
Jürgen Udolph studierte in Göttingen Slawistik und wusste dann nicht so richtig, was er machen sollte. Schließlich ergab sich eine Arbeitsmöglichkeit beim sprachwissenschaftlichen Seminar, wodurch er 1970 die Möglichkeit erhielt, bei Prof. Schmidt sein Examen abzulegen. Die Empfehlung, sich mit slawischen Flussnamen zu beschäftigen, nahm Udolph an.
„Flussnamen sind die ältesten Namen, die wir überhaupt haben. Sie lassen sich wie bei Oder und Neiße drei- bis viertausend Jahre zurück verfolgen, haben einen indogermanischen Ursprung und waren bereits vor den Slawen und Germanen da”, erklärte er. Nach einigen Tagen sei er so fasziniert gewesen, dass er sich „wie ein Idiot” in das Sammeln der Namen steigerte, darüber eine Magisterarbeit und eine Dissertation schrieb, was ihm eine Lebenszeitstelle bei der Mainzer Akademie einbrachte.
Später befasste er sich mit niedersächsischen Ortsnamen, brachte dazu ein inzwischen achtbändiges Werk heraus. Vor 20 Jahren hatten zwei Radiomoderatoren die Idee, eine Sendung über Familiennamen zu machen. „Heute weiß ich, dass das die Namen sind, die die Menschen am meisten interessieren”, stellte Jürgen Udolph fest. Diese Arbeit sei immer wieder überraschend und spannend, und es kommen oftmals unerwartete Ergebnisse zustande. Wie beispielsweise bei „Nonnenmacher” der auf dem Beruf des Tierkastrierers beruht.
Wer die Bedeutung seines Namens selbst recherchieren will, kann heute auf das Internet zugreifen. Bei der Vielzahl von Informationsmöglichkeiten sei jedoch Vorsicht geboten, meint Udolph. Denn es gebe „auch viel Mist”.