Ostbrandenburg. Elf Kinder halfen der Polizei vergangene Woche, einen Diebstahl aufzuklären.

Von Katja Gehring 

Einen spektakulären Einsatz, wie ihn sonst nur Polizisten erleben, bewältigten vorige Woche elf Grundschüler. Eine aufgefundene aufgebrochene Geldkassette auf einem Volleyballfeld in der Nuhnenstraße forderte das kriminalistische Gespür der Mädchen und Jungen. Weil die Kriminaltechnik auf sich warten ließ, riegelten sie den Fundort ab, fotografierten mit ihren Smartphones die vorhandenen Spuren und befragten einen Bürger, der das Delikt gemeldet hatte. Sie gossen einen Fußabdruck mit Gips aus und sicherten somit wichtige Beweise. Polizeihauptkommissar Roland Kamenz aus der Pressestelle der Polizeidirektion Ost sagte auf Anfrage: „Bloß gut, dass die Kinder so schnell vor Ort waren”. Während Kamenz sich bei den Spürnasen bedankte, erreichte ihn eine weitere Anzeige: In eine Garage in der Nähe war eingebrochen worden. Entwendet wurde nur ein Gegenstand: eine blaue Geldkassette...  
„Das war voll cool”, sagte die zehnjährige Leandra als sie das Gelände der Polizeidirektion Ost verließ. Gemeinsam mit Freundin Wilhelmine hatte sie sich für den Frankfurter Sommerferienkalender angemeldet, der jedes Jahr von Heike Papendick aus dem Amt für Jugend und Soziales organisiert wird. Der Montag stand unter dem Motto: „Dem Täter auf der Spur”.
Die Mädels dachten, ihnen wird während einer Führung erklärt, wie Polizeiarbeit funktioniert. Am Anfang war es auch so. Die insgesamt elf Kinder, einige Eltern und Großeltern wurden von Polizeihauptkommissar Roland Kamenz zunächst ins Frankfurter Revier geführt. Dort durften sie Polizeihauptmeister Siegbert Bürger, der die Notrufe entgegen nimmt, über die Schulter schauen. Sie erfuhren, dass am Tag zwischen 100 und 150 mal das Telefon klingelt. Während der Erklärung läutete es wieder. Ein Herr Fabian meldete den Fund einer aufgebrochenen Geldkassette ganz in der Nähe der Wache. Siegbert Bürger bat den Mann, am Fundort zu verweilen bis die Kollegen eintreffen. „Das kann aber eine Weile dauern”, kündigte der Polizeihauptmeister an. Roland Kamenz hatte prompt die Idee, mit den Kindern auf Spurensuche zu gehen: „Los. Es ist nicht weit. Das übernehmen wir”. Auf dem Volleyballfeld lag tatsächlich die Geldkassette, daneben war ein Fußabdruck im Sand. Wie auf Kommando holten die Schüler ihre Smartphones aus der Tasche und fotografierten alles wichtige. Inzwischen war Uwe Ziegert eingetroffen. Der Kriminaloberkommissar schilderte den jungen Kriminalisten die weitere Vorgehensweise.
Mittlerweile gab es Hinweise, woher die Geldkassette stammt. Sie wurde aus einer Garage gestohlen und mit ihr eine sehr wertvolle Glaskugel. Die Kinder machten sich auf den Weg zum Tatort. Auf dem Boden fanden sie neben Werkzeug lauter Blutspritzer. Um keine Spuren zu verwischen, schlüpften sie in weiße Overalls, stülpten Füßlinge über ihre Schuhe und zogen einen Mundschutz an. Ziegert verteilte kleine gelbe Hütchen mit Zahlen drauf. Die Jungs und Mädels stellten je eins an die Beweisstücke. Kriminaloberkommissar Dierk Sturm und Kriminalhauptkommissar Holger Jacob, die zur Unterstützung angetreten waren, verteilten Röhrchen mit Wattestäbchen, mit denen DNA aufgenommen werden kann. Als das erledigt war, mussten die Schüler sich um mögliche Fingerabdrücke kümmern. Fast wie Profis hantierten sie mit dem schwarzen Puder, dem Klebestreifen und den Karteikarten.
Während sie vertieft in diese Arbeit waren, huschte plötzlich eine dunkel gekleidete Gestalt vorbei. „Das ist der Täter”, ruft ein Junge noch. Aber der Flüchtige war schon weg. So blieb Roland Kamenz nichts anderes übrig, als die Hundestaffel zu rufen. Schäferhündin Lena schlug an einem dunklen VW an. Nach einer Inspektion des Wagens von außen war klar: Das muss das Auto vom Dieb sein. Denn auf dem Beifahrersitz lag die wertvolle Glaskugel. Plötzlich zerrte Lena an der Leine, riss sich los und preschte auf eine naheliegenden Wiese zu. Die Kinder hinterher. Sie konnten live mitansehen, wie sich die Hündin im Arm des Täters festbiss. Er war gefasst. Die Jungs und Mädels jubelten. Sie hatten ihren ersten Kriminalfall aufgeklärt.
Dass die Stunde bei der Polizei so spannend wird, hätte niemand gedacht. Dafür danken alle herzlich.