Frankfurt/Oder (kel). „Ich hörte vor allem zu“, sagte der ehemalige Telefonseelsorger Hartmut Roggmann in der St. Gertraudkirche.

Anlässlich des 20. Geburtstags der Telefonseelsorge Ostbrandenburg fand ein Mediengespräch statt. Seit dem 20. Oktober 1996 hören sich ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger aus Frankfurt und Umgebung tags und nachts die Probleme notleidender Menschen an. „Starker Kaffee hielt mich nachts munter“, berichtete Roggmann.
Die meisten Anruferinnen und Anrufer leiden laut einer Statistik unter Einsamkeit und Niedergeschlagenheit. Danach folgen familiäre Probleme und persönliche Ängste. Durchschnittlich dauern die Gespräche 5 bis 15 Minuten, einige jedoch über 60 Minuten.
Äußerungen über Suizidwünsche gehen besonders nahe. Ihr Anteil hat sich in den vergangenen Jahren von zwei auf sieben Prozent erhöht, berichtete Ulrich Falkenhagen. Er leitet die Telefonseelsorge Ostbrandenburg seit 2008. Sie hat ihren Sitz in Frankfurt an der Oder. Hier betreuen zwei hauptamtliche und 35 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Not geratene Menschen. Ihre Motivation wäre häufig Dankbarkeit für einmal selbst erhaltene Hilfe, so Falkenhagen.
Sämtliche Gespräche sind anonym und vertraulich. Es wäre manchmal „Schwerstarbeit“ gewesen, berichtete Annelies Lüdersdorf. Sie war fast 15 Jahre Seelsorgerin. Wie Roggmann hat sie vor einigen Jahren aus persönlichen Gründen damit aufgehört. In besonderer Erinnerung ist ihr ein Anrufer, der nicht alleine aus dem Leben scheiden wollte. „Seine Stimme wurde immer leiser und verstummte schließlich“. Was aus ihm geworden sei, wisse sie nicht. Ähnlich ging es ihr nach vielen Telefongesprächen. Kraft, damit zurecht zu kommen, erhielt sie auf monatlichen Supervisionen. Dort wurden unter Anleitung eines Supervisors sämtliche Probleme durchgesprochen. Auch auf der einjährigen Schulung vor Aufnahme der Seelsorgearbeit erhielt sie wertvolle Tipps für den Umgang mit den Notleidenden.
Wer bei der Telefonseelsorge mitmachen will, kann sich bei Falkenhagen unter der Nummer 0335-68 57 213 melden. Die Telefonseelsorge Ostbrandenburg ist mit weiteren Seelsorgeeinrichtungen vernetzt. Seit einiger Zeit gibt es ein Kinder- und Jugendtelefon in Berlin und russischsprachige und muslimische Seelsorgetelefone. Träger der Einrichtungen ist meist die evangelische und katholische Kirche, Partner die Deutsche Telekom. Sie ermöglicht die gebührenfreie Nutzung der Telefone und stellt die zentralen Seelsorgennummern 0800-11 10 11 und 0800- 11 10 222 zur Verfügung.