Ratzdorf (hn). Freunde der Regionalgeschichte waren vor einer Woche in den Saal des Gutshofes eingeladen.

Dort wurden zwei spannende Vorträge über Wehrbauten der Renaissance im vor hundert Jahren aufgegebenen Ort Schiedlo und die Geschichte der Oder, abgeleitet aus literarischen Quellen, gehalten. Dr. Ilona Weser vom Landschaftspflgeverband begrüßte die Gäste im nahezu ausverkauften Saal.
Im ersten Vortrag informierte Professor Grzegorz Podruczny, Historiker am Collegium Polonicum, über seine Forschungen zur Militärkulturlandschaft der Oder-Neiße-Mündung. In der frühen Neuzeit zog Schiedlo mehrfach die Aufmerksamkeit des Militärs auf sich, schwedische Truppen kamen im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), sächsische im Großen Nordischen Krieg (1700-1721). August der Starke (1670-1733), Kurfürst von Sachsen und König von Polen, errichtete in Schiedlo eine Festung, von der heute noch Fragmente zu finden sind.
Im zweiten Vortrag nahm Dr. Marta Bakiewicz, ebenfalls vom Collegium Polonicum, eine Interpretation des Romans „Mit der ewigen Oder“ von Annette Krone vor, dessen Handlung in Schiedlo spielt.
Schiedlo (polnisch Szydłów) ist heute eine Wüstung auf dem Gebiet der Gemeinde Cybinka (Ziebingen) in Polen und gehört zum Landschaftsschutzgebiet Krzesin (Krzesinski Park Krajobrazowy). Das Dorf befand sich gegenüber von Ratzdorf und der Neißemündung am Ostufer der Oder und war der einzige Niederlausitzer Ort auf dieser Flussseite. Von 1249 an gehörte Schiedlo zur Lausitz, 1316 oder 1319 erwarb das Kloster Neuzelle die Burg und das Dorf. Einige Häuser waren auch nach der Aufgabe 1918 weiterhin bewohnt. Heute sind die Reste der Gebäude komplett von Sträuchern überwachsen.