Ostbrandenburg (eb/geh). Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat Ermittlungen gegen unbekannt wegen Todesfällen im DDR-Durchgangsheim Bad Freienwalde aufgenommen.

Der Verein „Kindergefängnis Bad Freienwalde“ bezeichnete die Aufnahme von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen möglicher Tötungsdelikte an inhaftierten Kinder und Jugendlichen als einen „dringend notwendigen Schritt“. Der Betroffenenverein hatte der Brandenburger Staatskanzlei im April 2018 Unterlagen und Erkenntnisse über Todesfälle übermittelt. Dabei wurde auch eine Nachbildung des Grabsteines von Egon Hönicke an Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke übergeben. Hönicke starb im Jahr 1971 im Alter von 16 Jahren nach nur zwei Tagen in Haft aus bis heute ungeklärten Umständen.
Neben Hönicke sind dem Aufarbeitungsverein mindestens zwei weitere Todesfälle bekannt. „Die Familien wissen bis heute nicht, wie die Kinder zu Tode kamen. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass die Täter bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Kein Tod darf ungesühnt bleiben“, sagt Roland Herrmann, Vorsitzender des Vereins „Kindergefängnis Bad Freienwalde“. Den Stein ins Rollen brachte das Umfeld des verstorbenen Egon Hönicke, weil die lokalen Ämter sich der Aufklärung verweigerten. So brauchte das Kreisarchiv Märkisch-Oderland fast zwei Jahre für eine Ablehnung eines Gesuchs auf Akteneinsicht. „Eine von Ihnen gewünschte Einsicht in die Akte wäre erst im Jahr 2031 möglich, da hier weitere Personen erwähnt sind, deren personenschutzrechtlichen Belange erst 60 Jahre nach Schließung der Akte aufgehoben werden können“, teilte das Amt der Familie von Egon Hönicke mit. „Wenn jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt, wird sich das Amt nicht mehr der Aufklärung versperren können“, hofft Herrmann.
Stefan Ludwig, Justizminister des Landes Brandenburg äußerte sich zu einer Anfrage von Heide Schinowsky, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen schriftlich: „Die Landesregierung hat aber Verständnis dafür, dass unabhängig von dem Ausgang dieser staatsanwaltlichen Ermittlungen ein großes Interesse an näheren Informationen zum Schicksal der Kinder und Jugendlichen besteht”. Hierzu wolle die Landesregierung das Gespräch mit der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Dr. Maria Nooke, suchen, um gemeinsam zu überlegen, auf welche Weise möglichst zeitnah dem Informationsinteresse der Angehörigen und des Vereins „Kindergefängnis Bad Freienwalde” Genüge getan werden könne.