Frankfurt/Oder (kel). Vier alte Güterwaggons standen eine Woche lang auf dem ehemaligen Bahnbetriebswerk in Frankfurt (Oder). In ihnen wurde das Stück „Flucht -Ucieczka” vom Dokumentartheater „Das letzte Kleinod” in Kooperation mit „Gdynia Glowna” aus Polen aufgeführt.

„Dawai, dawai, dawai“, riefen russische Soldaten. Flüchtlinge sollen schnell die Güterwaggons Richtung Frankfurt, Warschau, Kaliningrad betreten. Dicht gedrängt saßen sie anschließend in den dunklen Waggons und wussten nicht, was sie erwartet.
Die Szenen haben den Höhepunkt dieses in Dokumentarstil inszienierten Theaterstücks „Flucht - Ucieczka“ gebildet. Es wurde auf dem ehemaligen Frankfurter Bahnbetriebswerk aufgeführt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer übernahmen die Rolle der Flüchtlinge. Sie stiegen in die Güterwaggons und empfanden hautnah, wie es ist, in einem klapprigen Eisenbahnwaggon flüchten zu müssen.
In dem Dokumentarstück geht es um Menschen, die im Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Das Ensemble des Theaters „Das letzte Kleinod“ bereiste zusammen mit seinen Kooperationspartnerinnen und -partner vom „Theater Gdynia Glówna“ die Länder Polen, Russland und Deutschland. Dort wurden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befragt, wie sie als Kind die Flucht erlebten. Die Berichte stellte der Regisseur Jens-Erwin Siemssen für das Theaterstück unverändert zusammen.
Einige Zeitzeugen saßen im Publikum. So auch der 1935 in Rostin/Neumark geborene Autor Jörg Lüderitz. Er musste am 4. Juli 1945 innerhalb von zwei Stunden sein Heimatdorf Lippehne/Neumark verlassen. „Manche der Vertriebenen weinten und ließen sich  kurz im Straßengraben fallen“, schrieb er in seinem Buch „Heimat Brandenburg Stationen meines Lebens“. Zwei Wochen war er mit einem Handwagen unterwegs. In Rüdersdorf endete die Odyssee.
Optimistisch stimmten in dem Stück Szenen über das Ende des Krieges. Ein Dabeigewesener berichtete: „Es sangen alle auf den Straßen, tanzten und umarmten sich.“ Vor den Güterwaggons in Frankfurt (Oder) wurden Zuschauerinnen und Zuschauer ebenfalls umarmt und zur Freude vieler Männer von Schauspielerinnen geküsst. Zum Ende des Stücks gab es dann noch leckeren Streuselkuchen. Die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer bedankten sich für die gelungene Aufführung mit lang anhaltenden Ovationen.