Zollbrücke (eb/geh). Mehr als hundert Besucher kamen vergangenen Sonntag ins Theater am Rand in Zollbrücke im Oderbruch zum 47. Randthema „Glyphosat - Am Rand der Vernunft“.

Die sechs geladenen Experten vertraten dabei durchaus kontroverse Meinungen. Es zeigte sich deutlich, dass sich die Frage einer enkeltauglichen Landwirtschaft nicht auf das Thema Glyphosat reduzieren lässt. Trotzdem sei ein Umdenken dringend notwendig.
Professor Michael Succow, Moorökologe und Träger des alternativen Nobelpreises zeigte eindringlich, dass die sinkende Bodenqualität - unter anderem verursacht durch Herbizide wie Glyphosat - weltweit dramatische Folgen haben kann. Der Wissenschaftler plädiert dafür, die 56 Milliarden Euro Subventionen, die deutsche Bauern jährlich bekommen, nach völlig neuen Kriterien zu verteilen und Biogas nur noch aus Abfällen zu erzeugen.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz hingegen warnte davor, die Landwirte zu Sündenböcken zu machen, und appellierte an die Konsumenten. Was Landwirte ganz konkret bewegt, brachte Dr. Kenneth Anders vom Oderbruchmuseum Altranft in die Debatte ein. Mitarbeiter des Museums hatten zahlreiche Interviews mit Bauern aus der Region geführt.
Mögliche Alternativen stellte Christoph Fischer von der bayerischen Initiative „Zivilcourage“ vor. Die Gemeinde Mals in Südtirol beispielsweise hat sich 2014 gegen viele Widerstände zur pestizidfreien Gemeinde erklärt. Die Landwirte der Gemeinde haben seitdem viele neue Wege gefunden, trotzdem erfolgreich zu produzieren.
Künstlerisch begleitet wurden die Vorträge von dem Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel und der Schauspielerin Barbara Geiger, bekannt als „Fräulein Brehm“.
Laut BUND ist Glyphosat das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Das Totalherbizid tötet nach Expertenaussagen jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. Mit der Stimme der Union wurde der Einsatz von Glyphosat für weitere fünf Jahre von der EU-Kommission im November 2017 erlaubt. In einer Pressemitteilung informiert der BUND über eine Umfrage, die besagt, dass 85 Prozent der Bevölkerung den Komplettausstieg aus Glyphosat wollen. 87 Prozent davon sprechen sich demnach für ein Ende des Totalherbizids innerhalb der nächsten drei Jahre aus. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger meint: „Ministerin Klöckner sollte diesen Wunsch umsetzen, statt sich hinter falschen Behauptungen zu verstecken”. Noch immer sei die Landwirtschaft mit Abstand der größte Verwender von Glyphosat. 40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen werden damit behandelt. Von den 5.000 Tonnen des Ackergifts, die jährlich in Deutschland eingesetzt werden, würden nur 100 Tonnen bei Privatanwendern landen und 65 Tonnen von der Bahn verwendet. Weiger: „Dabei wollen wir keineswegs den Landwirtinnen und Landwirten die Schuld für diese Entwicklungen in die Schuhe schieben. Verantwortlich sind die politischen Rahmensetzungen, die die Landwirtschaft seit Jahrzehnten einseitig auf Kostenführerschaft und Weltmarkt trimmen. Die Politik muss endlich gegensteuern, damit Bäuerinnen und Bauern mit einer umwelt- und tiergerechten Bewirtschaftung gute Einkommen erwirtschaften können”. Weitere Infos gibt es auf www.bund.net.