Wriezen (eb/geh). Die Seelower Erklärung „Zurück in die Zukunft!“ soll ein deutliches Signal an die Landesregierung und an das zuständige Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sein, die Erfolgsgeschichte der Ostbahn fortzuschreiben.

Die Unterzeichner fordern den Ausbau der Ostbahn, da diese Schienenverbindung zwischen Berlin und Kostrzyn und weiter nach Pila einen wichtigen Beitrag zur Regionalentwicklung leiste. Für die weitere Etablierung der Ostbahnregion als Wohn- und Arbeitsstandort des stark wachsenden Nachbarn Berlin bedarf es eines Ausbaus der Infrastruktur mit anschließender Verbesserung des Verkehrsangebots im Schienenpersonenverkehr, heißt es in der Erklärung.
Der Ausbau der Ostbahn sei eine wichtige Voraussetzung, um auf der Strecke Güterverkehr abzuwickeln und weitere Angebote für Güterverkehrsverlagerungen auf die Schiene zu schaffen. Darüber hinaus komme dieser Verbindung auch eine wichtige Bedeutung im grenzüberschreitenden Verkehr zu. Nur durch eine Verbesserung der Verkehrsangebote werde es gelingen, die steigende Nachfrage im grenzüberschreitenden Bereich zu decken. Bereits heute komme der Ostbahn auch als Lebensader für Pendler beidseits der Oder eine hohe Bedeutung zu, die in rasantem Tempo zunehme.
Nur durch die grenzüberschreitende Mobilität können aus dem Grenzraum ein Verflechtungsraum werden. Seit über 70 Jahren ist die ehemals zweigleisige Strecke eingleisig. Die Vergangenheit war somit zukunftsweisender als der heutige Zustand, kritisieren die Unterzeichner der Seelower Erklärung. Sie sagen: „Darum müssen wir zurück in die Zukunft.“
So fordern sie beispielsweise die Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen für einen 30-Minuten-Takt Ostkreuz-Müncheberg ab dem Jahr 2022 sowie die Herbeiführung einer Einigung zwischen Deutschland und Polen zum grenzüberschreitenden Ausbau der Ostbahnstrecke unter Leitung des Koordinators der deutsch-polnischen Beziehungen der Bundesregierung, Dr. Dietmar Woidke, beim kommenden deutsch-polnischen Bahngipfel im Mai 2019 mit dem Ziel: Aufnahme in das TEN-T3  Ergänzungsnetz. Ein sofortiger Beginn der Planungen zum zweigleisigen Ausbau und zur Elektrifizierung sei genauso notwendig wie der stufenweise zweigleisige Ausbau der Gesamtstrecke an sich, um neben der Verbesserung der SPNV-Angebote auch ausreichend Kapazitäten für den Güterverkehr zu sichern, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Gütertransporte auf der RailBaltica und der Neuen Seidenstraße.
Erst kürzlich gab es in Wriezen eine Zusammenkunft der Unterzeichnenden, zu denen auch die IHK Ostbrandenburg, die Kreisverwaltung, Parteien und Unternehmen gehören. Dabei haben Landrat Gernot Schmidt und Egbert Neumann, Abteilungsleiter im Infrastrukturministerium Brandenburg sich für eine Neugründung der IGOB „Interessengemeinschaft Ostbahn“ eingesetzt, wie Frank Schütz, Bürgermeister von Golzow und Mitglied des Kreistags berichtet. Er will die Gelegenheit für einen deutlichen Aufruf nutzen: „Unterzeichnen Sie die Seelower Erklärung zur Entwicklung der Ostbahn zwischen Berlin und Kostrzyn.“
Bereits im vergangenen Jahr haben IHK Ostbrandenburg, IHK Berlin, der Landkreis Märkisch-Oderland und das Regionalmanagement Marzahn-Hellersdorf eine Studie zur Zukunft der Ostbahn in Auftrag gegeben. Erste Zwischenergebnisse belegten die Befürchtung in der Region: Selbst bei sofortigem Beginn der Planungen zum zweigleisigen Ausbau des Begegnungsabschnittes Mahlsdorf-Hoppegarten wäre es erst ab Dezember 2022 möglich, den versprochenen 30-Minuten-Takt zwischen Berlin-Ostkreuz und Müncheberg für den Personenverkehr zu realisieren. Aber auch dann habe die gesamte Strecke noch keine Kapazität, um nennenswerten Güterverkehr aufzunehmen. Deshalb bestehe hier aktuell Handlungsbedarf. Die Auftraggeber der Studie sehen die Politik in der Pflicht, die Weichen zu stellen.
Auf ihk-obb.de/ostbahn finden Interessierte die Zwischenergebnisse der Studie und die Erklärung der Unterstützer, der sich weitere Unterzeichner gern anschließen können.