Aurith (gla). Der Amtsausschuss erteilte der Oderfähre zwischen Aurith und Urad eine Absage.

Vorigen September genehmigte der Europäische Fonds für regionale Entwicklung 495.720 Euro Fördermittel für das deutsch-polnische Projekt, 317.220 davon für die deutsche Seite. Damit waren 85 Prozent der Finanzierung gesichert. Bei der Sitzung des Amtsausschusses im Februar stellte eine Wortmeldung aus der Gemeinde Vogelsang das Vorhaben in Frage. Nach kurzer Diskussion stimmte die Mehrheit des Ausschusses gegen die Fähre. „Dann gab es Verwunderung darüber, dass durch die Änderung eines Anhangs der Haushalt nicht mehr beschlussfähig war“, erinnert sich der Ziltendorfer Bürgermeister Danny Langhagel, der sich seit 2011 für die Fähre engagiert. „Die Arbeit von vielen Menschen wurde mit einer Sitzung in wenigen Minuten mit Füßen getreten.“ Tourismus sei die beste Zukunftschance für die Region und mache sie erst interessant. Die Fähre wäre ein Gewinn für Rad-, Wander- und Wassertourismus gewesen. „Die polnische Seite hat großes Interesse und war immer flink mit den Entscheidungen“, sagt Danny Langhagel.
Die Entscheidung gegen das Projekt sei nicht nur eine vertane Chance. Sie könnte auch Auswirkungen auf zukünftige Fördermittel haben. „Wir haben uns als Region lächerlich gemacht“, findet der Bürgermeister. „Für den Amtsausschuss ist es ein Eigentor mit Anlauf.“
Zu den Gegnern des Projekts zählt Vogelsangs Bürgermeister Niels-Hagen Giesa: „Nach allen Erwägungen der Vernunft kann die Fähre nicht funktionieren.“ Unmengen an öffentlichen Geldern wären in eine Utopie geflossen. Giesa sieht keinen Anlass für Touristen, nach Urad zu fahren. „Da gibt es nur ein paar Häuser in schlechtem Zustand und einen Weg, der zur nächsten Fernstraße führt.“ Überhaupt erwartet Vogelsangs Bürgermeister kaum Chancen für Tourismus: „Das ist doch kein Wirtschaftsfaktor, von dem unsere Region leben kann. Tourismus gedeiht, wo die Voraussetzungen gegeben sind.“ Die polnische Seite hätte sich vor schätzungsweise zwei Jahren von dem Projekt verabschiedet. Seitdem streitet Giesa erbittert dagegen. Behauptungen, die Mehrheit der Aurither wünsche sich die Fähre, weist Niels-Hagen Giesa zurück: „Ich kenne eigentlich keinen, der das wirklich befürwortet.“ Das Geld, das vom Amt als Eigenanteil aufgebracht werden müsste, sei besser angelegt, Vorhandenes zu erhalten.
Laut Angaben des Fördervereins Schlaubemündung Odertal habe sich die polnische Seite keineswegs vom Projekt zurückgezogen. „Es gab gewisse Unstimmigkeiten zwischen dem Amtsdirektor und dem neuen Bürgermeister von Cybinka“, räumt Christiane Förster vom Förderverein ein. Dabei ging es um die Kostenteilung, nicht um einen Rückzug der polnischen Partner. „Die haben auch einen Aussichtsturm eingeplant, was uns untersagt wurde, außerdem Sitzbänke und Toiletten.“ Bei einer Volksabstimmung habe sich die Mehrheit für das Projekt ausgesprochen. Die Streichung der Fährverbindung gefährde nebenbei die Oder-Schlaubetal-Schleife, ein gemeinsames Radtourismusprojekt der Ämter Brieskow-Finkenheerd und Schlaubetal mit der Gemeinde Cybinka. Die Oderfähre sollte den Knotenpunkt des 8-förmigen deutsch-polnischen Radwegs bilden.