Frankfurt/Oder (eb/gla). Die Europa-Universität erhält Philipp Schwartz-Stipendium für einen gefährdeten Wissenschaftler aus der Türkei.

Mit Hilfe eines Philipp Schwartz-Stipendiums kann die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) ab Oktober 2019 für zwei Jahre einen gefährdeten Wissenschaftler bei sich aufnehmen. Der Literaturwissenschaftler erhielt in Deutschland Asyl, nachdem er mit seiner Familie aus der Türkei fliehen musste. Nun kann er seine Forschung an der Europa-Universität Viadrina fortsetzen.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung vergibt in der bereits fünften Runde der Philipp Schwartz-Initiative insgesamt 38 Stipendien an Forscherinnen und Forscher, die Schutz in Deutschland suchen, weil ihnen in ihren Heimatländern Krieg oder Verfolgung drohen.
„Freiheit von Forschung und Lehre ist das grundlegende Fundament unseres Wissenschaftssystems“, sagt Viadrina-Präsidentin Prof. Dr. Julia von Blumenthal. „In vielen Teilen der Welt ist diese Freiheit durch Krieg und Repressionen gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedroht. Die Viadrina engagiert sich seit 2017 im globalen Netzwerk ‚scholars at risk‘ für den Schutz von gefährdeten Forscherinnen und Forschern und setzt damit ein Zeichen für die Wissenschaftsfreiheit. Ich freue mich sehr, dass wir mit Unterstützung der Philipp Schwartz-Initiative einem Wissenschaftler ermöglichen können, seine Forschung in Deutschland fortzuführen. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die wir mit diesem Engagement eingehen.“
Forschen wird der Literaturwissenschaftler an der Chiellino-Forschungsstelle für Literatur und Migration am Axel Springer-Lehrstuhl für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration. „An der Chiellino-Forschungsstelle wird unser türkischer Kollege mit seinen vergleichenden Studien über türkische, englische und deutschsprachige Literatur eine adäquate institutionelle Anbindung finden“, so Lehrstuhl-Inhaberin Prof. Dr. Kerstin Schoor. „Ein gemeinsames Interesse für Literatur und Politik in Zeiten sozialer Krisen schließt sich dabei jüngeren Forschungsbewegungen an, die der Debatte um das Verhältnis von Politik und Literatur theoretisch wie empirisch verstärkte Aufmerksamkeit widmen. Dieses Interesse ist nicht zuletzt begründet in den wachsenden sozialen Konflikten und Gewalterfahrungen in Europa in einem Zeitalter von Massenmigration, Flucht und Exil.“
Julian Irlenkäuser, Koordinator für das Programm in der Abteilung für Internationale Angelegenheiten an der Europa-Universität, betont: „Als direkte Konsequenz der humanitären Krise in Syrien einerseits und der Verfolgungswellen und Massenentlassungen von türkischen Akademikerinnen und Akademikern andererseits hat sich an den deutschen Hochschulen seit 2015 viel bewegt. Mir ist es insbesondere aufgrund meiner guten beruflichen Kontakte in die Türkei ein persönliches Anliegen, dass auch die Viadrina sich in dieser Sache präsent und engagiert zeigt, indem sie verfolgte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufnimmt. Von daher freue ich mich wirklich sehr, dass wir nun ein erstes Philipp Schwartz-Stipendium zur Förderung eines ‚scholars at risk‘ akquirieren konnten.“
Die Europa-Universität Viadrina ist eine von 28 für das Philipp Schwartz-Stipendium ausgewählten Gasteinrichtungen. Mit Konzepten zur persönlichen und wissenschaftlichen Einbindung der Forscherinnen und Forscher hatten sich 56 Hochschulen und Forschungseinrichtungen beworben, die gefährdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufnehmen wollen.
Die Philipp Schwartz-Initiative wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung und dem Auswärtigen Amt 2016 ins Leben gerufen. Sie wird vom Auswärtigen Amt sowie Stiftungen im In- und Ausland finanziert. Jährlich können bis zu 50 gefährdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem Philipp Schwartz-Stipendium gefördert werden.