Eisenhüttenstadt (hn). Einen Theaterabend, der so schnell nicht vergessen wird, gestalteten die Teilnehmer des Kurses „Darstellendes Spiel“ des Albert-Schweitzer-Gymnasiums.

In der Aula der Schule ging es im ersten Teil um den Rauswurf einer Lehrerin durch die Eltern, die ihr die Schuld an schlechten Zensuren ihrer Kinder gaben. Nach der Pause folgte das Schockerlebnis für die Zuschauer, die miterleben mussten, wie aus einer fixen Idee ein grässliches Verbrechen wurde. Sehr gut stellten die Spieler dar, wie in der Dynamik der Gruppe schließlich jegliche Kontrolle verloren ging, bis zur Vergewaltigung einer Schülerin, die dazu führen sollte, das Passwort für das Online-Klassenbuch von der Lehrerin zu erpressen, um die Noten der Matheklausur zu ändern.
„Unsere zwei Kurse haben sich in diesem Jahr entschieden, die Problematik Schule näher zu betrachten“, erklärte Fachlehrerin Heike Steinhagen. „Die Zwölftklässler haben im Moment eine hohen Leistungsdruck, und das Spiel hat für sie eine hohe Aktualität.“ Dieser Leistungsdruck nehme immer mehr zu, und viele Schülerinnen und Schüler verkraften das nicht mehr so ohne Weiteres, denn jedes Fach stelle hohe Anforderungen. Aber auch die Schüler legen an sich selbst hohe Maßstäbe, um den begehrten Studienplatz zum Beispiel in der Medizin zu bekommen. Dabei komme es häufig zu psychosomatischen Problemen, die nun in zwei Einzelfällen auf der Bühne thematisiert wurden. Ein großes Problem liege dabei in den unterschiedlichen Moralvorstellungen und Werten, die in der Schule und im täglichen Leben propagiert werden, und die zum Teil zu erheblichen inneren Konflikten führen. Damit umzugehen ist schwierig und hänge von den Schülern ab, und es sei ein generelles Umdenken im System Schule notwendig, um die sich verschärfenden Probleme zu lösen.
„In der ersten Klasse kommen die Kinder zumeist sehr glücklich in die Schule“, so Steinhagen, „und in der Zwölften brechen viele zusammen, weil der Druck nicht mehr verkraftbar ist“. Dabei ist die emotionale Gesundheit der Schüler wichtig, denn die ist Voraussetzung für den Spaß am Lernen und damit für einen geradlinigen Weg ins Leben.
„Wir zeigen in unseren Stücken auf, welchen Stress wir haben“, sagte Valentin Franze. Die Belastung mit den Hausaufgaben, den Lehrern und auch Eltern, die Ohnmacht der Schule und die Verzweiflung der Schüler im Abiturstress flossen in die selbst geschriebenen Stücke ein.
Dabei konzentriert sich das erste Stück auf die Rolle der Eltern in der Konfrontation mit den alltäglichen Problemen, die Schuld an schlechten Noten wurde der Lehrerin zugeschrieben, die gezwungen werden sollte, die Klasse abzugeben, während das zweite Stück eine Darstellung aus der Sicht der Schüler ist, fügte Richard Werner hinzu.