Frankfurt/Oder (gla). Die Schülerbewegung „Fridays for Future“ hat Ostbrandenburg erreicht.

Die Schülerbewegung „Fridays for Future“, also „Freitage für die Zukunft“ begann im Sommer 2018 in Schweden und breitete sich schnell aus. „Nun haben wir es auch geschafft, endlich die Erste in Frankfurt (Oder) zu machen“, sagte Robert Gidius. Der Lehrling vertrat bei der Demonstration die Grüne Jugend, die von den Initiatoren, Schülerinnen und Schüler der Waldorf-Schule, um Unterstützung gebeten wurde. Auch Kinder von anderen Schulen und Mitglieder von Jugendorganisationen folgten dem Aufruf.
Robert Gidius kritisierte in seiner Rede, dass die deutsche Wirtschaft immer noch völlig abhängig von der Verbrennung fossiler Rohstoffe ist. „Eine unbegrenzte Erderwärmung ist eine ernste Gefahr für Frieden und Wohlstand“, gab der Jugendliche zu bedenken. Die Bundesregierung fordert er auf, die Klimakrise als solche zu benennen. Staatliche Subventionen für fossile Energieträger müssten sofort beendet werden. Die Vizepräsidentin der Europa-Universität Viadrina, Janine Nuyken, drückte gegenüber den Schülerinnen und Schülern ihre Unterstützung aus: „Wir als Universität hier in Frankfurt (Oder) sind total stolz, dass ihr es hinbekommen habt, euch dem anzuschließen.“ Durch das Engagement der jungen Leute würden die Warnungen vieler Wissenschaftler endlich gehört. „Jeder, der wirklich wissen will, wie es um die Erde steht, kann es auch wissen“, sagte Janine Nuyken. „Viele wollen es aber nicht wissen.“
Auch der Kreisvorsitzende der Linken, Jan Augustyniak, erklärte sich solidarisch: „Die Schülerinnen und Schüler kämpfen für die Zukunft des Planeten. Sie tragen keine Verantwortung für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, für die verheerenden Klimaschäden, für das drohende Massenaussterben von Tier- und Pflanzenarten – trotzdem handeln sie. Das beeindruckt mich zutiefst.“
Oberbürgermeister René Wilke empfing die Demonstranten vor dem Rathaus und unterbreitete ihnen drei Angebote: eine Einladung zu Gesprächen des Klimaschutzbeirats der Stadt, die Internetseite klimaschutz.frankfurt-oder.de und eine „Woche der Umwelt“ im Juni mit einer Fahrt zum Landgut Gronenfelde, die über lokale nachhaltige Landwirtschaft aufklären soll.
Amelie Gamille erinnerte in ihrem Redebeitrag vor dem Rathaus daran, dass die Stadt Konstanz am gleichen Tag den Klimanotstand ausgerufen hatte. Dass es so weit kommen musste, findet sie alarmierend. Eine Umfrage habe ergeben, dass 80 Prozent der Befragten für mehr Klimaschutz sind, aber 63 Prozent gegen eine CO2-Steuer.
„Jeder Einzelne kann etwas tun“, rief die Schülerin und nannte als Beispiel Stoffbeutel und -Taschentücher statt der Wegwerfvariante. Die Gauss-Gymnasiastin beteiligte sich an der Demonstration, obwohl ihre Schulleitung mit Konsequenzen drohte. In einem Rundschreiben, dass ein Vater dem OderlandSpiegel weiterleitete, warnt eine Lehrerin: „Die allgemeine Schulpflicht ist ein hohes gesellschaftliches Gut und daher auch in der Verfassung des Landes Brandenburg in Artikel 30 aufgenommen.“ Ein Fehlen an diesem Tag aufgrund der Demonstration werde als unentschuldigt vermerkt und zu erbringende Leistungen mit der Note 6 bewertet.
Unter den Erwachsenen bei der Demonstration war der EU-Abgeordnete Helmut Scholz, der erneut für die Linke bei der Europawahl antritt. Er bekundet seine Solidarität mit den Schülerinnen und Schülern, warnt aber auch: „Fridays for Future sollte sich nicht von der Politik vereinnahmen lassen.“ Im Europäischen Parlament möchte Scholz sich dafür einsetzen, dass Klimaschutz in die Verfassung aufgenommen wird. Die Politik müsse auf europäischer Ebene verbindlich vorlegen, welche Schritte sie einleiten will, sagt der ehemalige Mitarbeiter des DDR-Außenministeriums.
Im Internet reagierten vor allem erwachsene Männer wütend auf die Demonstration. „Würde ich einen von meinen Kindern da erwischen, jede einzelne würde ich sie in die Schule treten“, schrieb ein Frankfurter. „Hätt ich das gewusst wäre ich mit meinem ach so dreckigen Diesel nen paar mal dran vorbei gefahren“, und „Armes Deutschland, wenn das die Zukunft sein soll“ fanden andere.
Die nächste Demonstration von „Fridays for Future“ ist für den 24. Mai 2019 geplant. Die jungen Frankfurter Aktivistinnen und Aktivisten wollen wieder mitmachen.