Frankfurt/Oder (kel). „Ich hoffe, dass ich einen Job finde, bis zur Rente sind es ja noch 20 Jahre“, sagte der ehemalige Stasichef der Frankfurter MfS (Ministerium für Staatssicherheit)–Bezirksbehörde Heinz Engelhardt in einem Spiegel-Interview im Februar 1990.
Und er fand schnell Arbeit. Und zwar als Filialleiter des von MfS – Offizieren gegründeten Berliner Reiseunternehmens „albion-tours“. Zuvor absolvierte er noch rasch eine Umschulung zum kaufmännischen Angestellten.  
Die Reisebranche ist ihm nicht fremd. Im Jahr 1970 war er Leiter des Bereichs Reisen und Touristik der Stasi-Bezirksverwaltung (BV) Karl-Marx-Stadt. Seine Schwerpunkte waren: Reisen  kontrollieren und verhindern. Der 1944 geborene Engelhardt ging gleich nach dem Abitur zur Stasi. Schnell machte der emsige und wendige Mitarbeiter Karriere. Im Jahr 1971 wurde er Leiter der Kreisdienststelle Reichenbach, 1976 Leiter der Abteilung XX (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund) der BV Karl-Marx-Stadt. Anfang 1986 kam er nach Frankfurt (Oder). Zuerst war er Offizier für Sonderaufgaben und ab 1987 dann Leiter der BV, Generalmajor und Mitglied der SED-Bezirksleitung. Den Bezirk Frankfurt hatte er zu einer Hochburg der Überwachung ausgebaut. Hier gab es 2.329 hauptamtliche Mitarbeiter, 6.000 bis 7.000 inoffizielle Mitarbeiter (IM). Dazu noch 1.200 konspirative Wohnungen, Treffpunkte mit den IMs.  Der agile Engelhardt sollte Mielkes Nachfolger werden. Für Ex-Pfarrer Christian Gehlsen wirkte er bei der Erstürmung der Frankfurter Stasihochburg am 5. Dezember 1989 sehr professionell. „Er erschien in einem feinen Anzug, war frisch rasiert, roch angenehm“. Dabei behandelte Engelhardt die Demonstranten in Überschätzung seiner Macht „ziemlich herablassend“. Die friedliche Revolution beendete den steilen Aufstieg des Frankfurter Stasi-Generals.   Demonsund Demonstrantinnen/ tranten forderten vor seiner Hochburg in der ehemaligen Otto-Grotewohl-Straße: „Stasi in die Volkswirtschaft“. Die Firma „Horch und Guck“ war die meist gehasste Institution der Republik. Für den Kampf gegen „subversive Elemente“ war sie bis an den Zähnen bewaffnet. Trotzdem brach das Stasi-Kartenhaus im Dezember 1989 überraschend schnell zusammen. Engelhardt und mit ihm seine Kameraden hofften danach, in neu gegründeten Institutionen Unterschlupf zu finden. Extra für ehemalige Stasis wurde das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) und das Amt für Verfassungsschutz gegründet. Leiter des Verfassungsschutzes wurde Ex Stasi-General und Diplom-Jurist Engelhardt (Fernstudium an der Juristischen Hochschule des Ministerium für Staatssicherheit Potsdam Eiche). Aber nur für einige Wochen. Mit dem Sturm auf die Stasizentrale in der Berliner Normannenstraße am 15. Januar 1990 kam das endgültige Aus. Engelhardt erhielt am 18. Januar 1990 von Modrow die Weisung, seinen Posten und das „ehemalige Amt für Nationale Sicherheit in allen seinen Gliederungen aufzulösen“. Er löste auf. Ein Jahr später, am 17. Januar 1991, trat Engelhardt zum letzten Mal ganz in Stasimanier öffentlich auf. Er und weitere Stasi-Generale wandten sich an Minister Schäuble. Sie forderten Teilamnestie und großzügige Rentenregeglungen gegen Offenbarung ihres Wissens. Schäuble lies sie abblitzen. Heinz Engelhardt ist nun Rentner und erhält eine Rente von der Solidargemeinschaft, die er einst verfolgte, beschnüffelte und überwachte.