Frankfurt/Oder (gla). Am Dienstag veranlasste die Gewerkschaft Verdi einen Warnstreik der Beschäftigten der Stadtverkehrsgesellschaft.

Dadurch kam der öffentliche Nahverkehr von 3.30 bis 9 Uhr zum Erliegen. Viele Fahrgäste waren unangenehm überrascht, denn der Streik wurde erst am Nachmittag des Vortags angekündigt. Zwei Dutzend Streikende versammelten sich am Morgen vor dem Betriebsbahnhof. Auf die Frage, was er Fahrgästen sagen würde, die zu Fuß gehen müssen, antwortete Streikleiter Marco Pavlik: „Wir haben in dieser Stadt sichergestellt, dass zumindest ein Großteil der Schülertransporte gewährleistet ist“. Fünf bis sechs Schulbusse seien unterwegs. Im Gegenzug für dieses Zugeständnis der Gewerkschaft würden die Arbeitgeber nicht versuchen, den Streik mit „Tricks“ zu umgehen.
Alle Betroffenen bat Pavlik, „nicht böse auf die Beschäftigten zu sein, sondern daran zu denken, wie wichtig es ist, dass es einen ÖPNV gibt“. Der Warnstreik sei notwendig, da am Verhandlungstisch nichts mehr zu erreichen war. Der Zeitpunkt vor Betriebsbeginn sei aus praktischen Gesichtspunkten gewählt worden. „Was raus ist, kriegt man schwer wieder rein“, so Pavlik. Ab 9 Uhr würden wieder Busse und Straßenbahnen fahren, denn „es soll nicht gleich so hart sein“.
Am Streikort war auch Jan Augustyniak vom Kreisverband der Linken. „Wir stehen als Die Linke solidarisch an der Seite der Beschäftigten des Brandenburger Nahverkehr. Das Streikrecht, als Mittel zum Kampf für bessere Arbeitsbedingungen, ist ein Grundrecht“, sagte er.
Die Stadtverkehrsgesellschaft teilte mit: „Wir bemühen uns, zumindest ein Notangebot anzubieten. Leider hat sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi entschlossen, auch während der aktuell laufenden Verhandlungen zum Mittel des Warnstreiks zu greifen. Wir als Arbeitgeber haben unsere Möglichkeiten, mit einem sehr positiven Angebot, ausgeschöpft und sind über diese Form der Verhandlungsführung sehr bestürzt. Kurz vor einer Einigung der Parteien ist diese Form der Eskalation aus unserer Sicht nicht notwendig“.
Laut Informationen von Verdi hatten die Arbeitgeber angeboten, unter anderem den derzeitigen Einstiegslohn von rund 1.900 Euro Brutto für Bus- und Straßenbahnfahrer um 112 Euro monatlich zu erhöhen. Andererseits fordern die Arbeitgeber eine Anhebung der Arbeitszeit im berlinnahen Raum auf 40 Stunden und im ländlichen Raum auf 37 Stunden pro Woche. Die Gewerkschaft lehnt dieses Angebot ab.
In den 16 öffentlichen brandenburgischen Nahverkehrsunternehmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind und für die zurzeit verhandelt wird, arbeiten insgesamt 3.000 Leute. Die nächste Verhandlungsrunde wird am Donnerstag, 16. Februar 2017 stattfinden.