Frankfurt/Oder (eb/geh). Strengere Vorschriften des Bundes, vor allem der neuen Düngemittelverordnung und Klärschlammverordnung, machen künftig die Nutzung von Klärschlamm als Dünger in der Landwirtschaft so gut wie unmöglich, was Auswirkungen auf die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) und die Entgelte hat.

„Bevor das Abwasser wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt werden kann, muss es gereinigt werden. Bei diesem Prozess entstehen bei uns jedes Jahr rund 7.300 Tonnen Klärschlamm“, erklärt FWA-Geschäftsführer Gerd Weber. Bisher erfolgte die Entsorgung relativ preiswert über einen landwirtschaftlichen Klärschlammverwerter. Das funktioniert nun nicht mehr so einfach. Nach einer Senkung um 4 Cent vor zwei Jahren werden die Entgelte für die Schmutzwasserentsorgung um 11 Cent auf 2,61 Euro pro Kubikmeter steigen.
„Zum einen dürfen nur noch sehr geringe Mengen Stickstoff und Polymere auf die Felder gebracht werden. Gleichzeitig verkürzen sich die Zeiten, in denen überhaupt gedüngt werden darf”, erklärt Anne Silchmüller, Pressesprecherin der FWA. Weil der Klärschlamm mit herkömmlichen Düngern wie Gülle, Mist, Gärresten und künstlichem Dünger konkurriert, müsse er auf große Zwischenlager oder gleich in eine Verbrennungsanlage gebracht werden. Deren Kapazitäten reichen bei Weitem nicht aus. Zum anderen verschärfe die neue Klärschlammverordnung die Anforderungen an den Klärschlamm. Silchmüller: „Es müssen mehr Beprobungen durchgeführt werden, um die strengen Grenzwerte für eine landwirtschaftliche Verwertung nachzuweisen.“
Bei einer europaweiten Ausschreibung der FWA gaben nur zwei Anbieter ein Angebot ab. Dabei liegt das günstigere Angebot 330 Prozent über den bisherigen Entsorgungskosten. Wurden für die Entsorgung von knapp 7.300 Tonnen Klärschlamm im vergangenen Jahr noch 171.323 Euro berechnet, verdreifachen sich die Kosten ab Januar 2019 auf 566.458 Euro für die gleiche Menge.
Derzeit prüft die FWA mit anderen Kläranlagenbetreibern alternative und günstigere Entsorgungsmöglichkeiten, denn weitere Kostenerhöhungen seien laut Anne Silchmüller bereits abzusehen. Ab 2029 werden die Betreiber größerer Kläranlagen zur Phosphorrückgewinnung verpflichtet. Gleichzeitig soll die landwirtschaftliche Verwertung endgültig beendet sein. Der Klärschlamm muss dann verbrannt werden.
Die dezentrale Entsorgung, also die Entsorgung der Sammelgruben und Kleinkläranlagen, ist noch von einer weiteren gesetzlichen Neuerung betroffen. Seit Juli 2018 müssen viele Unternehmen, die Bundesstraßen bislang kostenlos nutzten, eine Maut entrichten. Dazu gehören auch die Transportunternehmen, die Fäkalien aus den abflusslosen Sammelgruben abfahren. Die europaweite Ausschreibung der FWA in diesem Jahr hatte als Ergebnis nur ein Angebot, das unter anderem wegen der Maut 14 Prozent über dem bisherigen liegt. „Das heißt, dass bei einer unterstellten Fäkalien- und Fäkalschlammmenge von zirka 72.000 Kubikmetern für 2019, die dezentrale Entsorgung 430.000 Euro kosten wird. 2017 waren es 377.000 Euro“, sagt FWA-Geschäftsführer Gerd Weber. Das Mengenentgelt für die Fäkalschlammentsorgung aus Kleinkläranlagen müsse von 29,80 Europro Kubikmeter auf 37,25 Euro pro Kubikmeter angepasst werden. Die gute Nachricht zum Schluss: Trinkwasser kostet weiterhin 1,67 Euro je Kubikmeter, und das unverändert seit 2013.
Das neue Preisblatt ist im Internet auf www.fwa-ffo.de beziehungsweise in der Geschäftsstelle der FWA im Buschmühlenweg erhältlich.
Das Kundenbüro bleibt am Donnerstag, dem 27. Dezember und am Freitag, dem 28. Dezember 2018 geschlossen. Bei Störungen erreichen Kunden den Bereitschaftsdienst wie gewohnt unter der Telefonnummer 0335-55 86 93 35.