Münchenberg (eb/geh). Zum 1. landesweiten Obstpflücktag laden die Mitglieder der Initiative zum Wiederaufbau der Obstbauversuchsanstalt Müncheberg am Dienstag, dem 6. September um 12.30 Uhr ein.

„In Deutschland gibt es mehr als 2.000 Apfelsorten, doch im Handel spielen vielleicht noch zehn eine wirtschaftliche Rolle”, sagt Sabine Niels, Sprecherin der Initiative. Am Obstpflücktag sollen schmackhafte alte Sorten wie der Dülmener Rosenapfel, der Rote Jungfernapfel oder der Goldgelbe Herbststreifling erfahrbar gemacht werden.
Für einen kleinen Unkostenbeitrag können Interessierte ab 13 Uhr an einem Kernobst-Seminar beiwohnen. Der Refernt wird Dr. Hilmar Schwärzel sein, der die Obstbauversuchsstation leitet. In seinen Ausführungen informiert er über alte Apfelsorten. Um 14 Uhr beginnt dann das große Apfelpflücken. Für je 6 Euro kann man auch große Körbe mit selbstgepflückten Äpfeln mit nach Hause nehmen. Mit dem Geld wird der Unterhalt der Anlage unterstützt. Anmeldungen sind auf der Internet-Seite www.wiederaufbau-obstversuchsanstalt.de, per E-Mail an anmeldung@wiederaufbau-obstversuchsanstalt.de oder per Fax an die Rufnummer 030 / 33 09 12 77 möglich.
Treffpunkt ist die Obstbauversuchsstation im Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF) in der Eberswalder Straße 84 in Müncheberg. Auf dem Gelände der traditionsreichen Brandenburgischen Obstforschungsstation wachsen seit fast 90 Jahren auf 32 Hektar derzeit 1.000 Apfelsorten.
Die Initiative zum Wiederaufbau der Obstbauversuchsanstalt ist am 6. Juni 2016 in Müncheberg gegründet worden. Die Mitglieder fordern den Wiederaufbau der bereits seit Anfang des Jahrhunderts bestehenden Obstbauversuchsstation in Müncheberg und wollen mit fachlichen Informationen den Prozess unterstützen. „Mit der ehemaligen Anstalt besitzt Brandenburg eine einzigartige Gendatenbank”, mahnt Sabine Niels an. Neben den 1.000 Apfelsorten sind auf dem Gelände bei Müncheberg etwa 100 Sorten Birnen, 50 Sorten Kirschen und 25 Sorten Aprikosen. Neben interessierten Privatpersonen zählen auch Vertreterinnen und Vertreter der Landfrauen Oder-Spree, der Dörfergemeinschaft gegen die Hähnchenfabrik Steinhöfel und Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen Oder-Spree zu den Gründungsmitgliedern der Initiative, die sich für die Obstbauversuchsstation stark macht.
Der Fortbestand der Anlage sei derzeit immer noch ungewiss, so Sabine Niels. „Seit Jahren wurde die Obstbauversuchsanstalt vom Land Brandenburg ausgedünnt und kaputtgespart”, kritisiert Kerstin Hellmich von der Dörfergemeinschaft Steinhöfel. „Trotz klarer Aussage zum Erhalt der agrarischen Forschung im Koalitionsvertrag und trotz des einstimmigen Beschlusses des Landtages ist nicht einmal mehr ein Rumpf der Obstbauversuchsanstalt vorhanden”. Die Verträge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien ausgelaufen und der ehemalige Leiter Dr. Hilmar Schwärzel wurde mittlerweile auch in das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurerneuerung (LELF) eingeordnet, so Sabine Niels. Aktuell werde der Notbetrieb der Anlage durch Leute der Forstverwaltung aufrechterhalten. Nach der Sommerpause wolle Agrarminister Jörg Vogelsänger endlich ein mehrfach verschobenes Konzept zum Erhalt der Obstbauversuchsstation Müncheberg vorstellen.