Ziltendorf (eb/geh). Mit dem Klimawandel wachsen auch die Gefahren von Flut und Hochwasser in Brandenburg. Das Thema stand auf der Tagesordnung eines der letzten Umweltausschüsse in Potsdam.

In der Hochwasserprävention wurde bereits viel erreicht: So sind 80 Prozent der Hauptdeiche auf dem neuesten Stand. 660 Millionen Euro hat das Land seit 1997 investiert. Doch reichen die Anstrengungen noch nicht aus. Auch die Ziltendorfer Niederung soll als Flutungspolder genutzt werden. Andreas Gliese (CDU) weist auf die Sorgen der Menschen vor Ort hin, wollte von Regierungsseite wissen, was das konkret für die Ziltendorfer bedeute. Er sieht die Pläne der Regierung kritisch und weist auf ein Ungleichgewicht zu Lasten der Menschen vor Ort hin.
Die Planungen für die Ziltendorfer Niederung befinden sich noch weitgehend im Anfangsstadium. Auf einer Fläche von bis zu 2.100 Hektar könnten bei extremen Hochwassern bis 70 Millionen Kubikmeter aus der Oder abgeleitet werden. Die Regierung bekräftigte die Nutzungspläne der Niederung als Flutungspolder nochmals mit der Begründung, es handele sich um eine Riesenfläche.
Daraufhin fragte Andreas Gliese im Ausschuss, welche Pläne die Regierung genau verfolge, wie insbesondere auch mit der von der Oderflut 1997 besonders betroffenen und mühsam mit mehreren Millionen wieder aufgebauten und renovierten Thälmann-Siedlung und auch mit Aurith verfahren werde. „Im Vorjahr wurde von den betroffenen Bürgern und der Kommunalebene bereits Kritik über die mangelnde Information und Verständigung der Landesregierung mit den Akteuren vor Ort geäußert. Nun werden die Pläne konkreter, aber beruhigter bin weder ich noch sind es die Ziltendorfer“, so Andreas Gliese. Sie befürchten, dass der Hochwasserschutz einseitig auf ihrem Rücken erfolgen wird. Im Dorf werde vom kontrollierten Absaufen Ziltendorfs und Auriths gesprochen. „Da wirkt es auch nicht beruhigend, wenn von Regierungsseite zugesichert wird, um die Thälmann-Siedlung einen Deich zu errichten. Wie stellt man sich das in der Praxis vor? Insel Thälmann-Siedlung und Insel Aurith? Die Pläne halte ich für unrealistisch. Ich sehe mich als Interessenvertreter der Menschen vor Ort. Ich bin dafür gewählt worden, mich für ihre Belange einzusetzen. Meine Unterstützung haben die Pläne nicht, das Konzept ist unausgegoren und einseitig”, kritisiert Gliese.
Die ländliche Bevölkerung in der Peripherie habe wie so oft hier das Nachsehen. Stadt- und Landbevölkerung werden nach Meinung des CDU-Politikers gegeneinander ausgespielt. Andreas Gliese: „In die Ziltendorfer Niederung sind nach der Jahrhundertflut 1997 Millionen in den Wiederaufbau gesteckt worden. Nun scheint dies alles für die Katz und zur Flutung freigegeben. Es handelt sich hier außerdem um das beste Ackerland im Landkreis, das in Gefahr ist”. Während einige wenige im Ernstfall vielleicht auf magere Entschädigungen hoffen können, fallen die Kleingartenbesitzer aller Voraussicht nach komplett hinten runter. „Die Antwort auf meine Frage spricht Bände, als regierungsseitig von wenigen Laubenpiepern in der Überflutungsfläche die Rede war, die entschädigt würden, sofern überhaupt entschädigt werden muss. Die Landbevölkerung hat keine Lobby in der Regierung“, zieht der CDU-Landtagsabgeordnete Resümee.
Gliese fehlten von der Regierung außerdem andere wichtige Ansätze. Er sagt: „Wenn hier jeder der betroffenen Anrainerstaaten der Oder sein eigenes Süppchen kocht, bringt das nichts. Wir müssen uns mit den ebenfalls stark gefährdeten Nachbarländern Polen und Tschechien stärker abstimmen”. Denn auch hier müsste Flüssen wie der Oder mehr Raum gegeben werden, wo es möglich ist. Druck werde sonst nur weitergegeben zum Schaden des Nachbarn. „Solidarität ist keine Einbahnstraße. Polen zum Beispiel investiert in neue Deiche, auch in Slubice zum Beispiel, verfolgt gleichzeitig aber seine Pläne zum Ausbau der Oder ohne ausreichende Sicherungsmaßnahmen weiter. Die Gefahr sowohl von  Eis-Hochwasser wird neben Sommer-Hochwasser dadurch nicht kleiner werden - das Gegenteil ist der Fall“, so die Einschätzung Glieses.
Rede und Antwort stehen wird Andreas Gliese den Ziltendorfern und Gästen vor Ort das nächste Mal wieder anlässlich des deutsch-polnischen Sommerfestes in Aurith und Urad am Samstag, dem 1. September 2018. „Das Sommerfest ist für mich ein fester Termin in jedem Jahr. Der Förderverein Schlaubemündung stellt hier jedes Mal ein tolles Programm auf die Beine. Ich hoffe wieder auf zahlreiches Erscheinen. Sicher bin ich mir, dass auch der Hochwasserschutz wieder Thema sein wird, auch wenn aktuell die Oder einen extrem niedrigen Pegelstand aufweist“, schließt Andreas Gliese.