Ostbrandenburg/Perpignan (kel). Über das größte Festival des Internationalen Fotojournalismus im französischen Perpignan gibt es viel zu berichten.

Die Autofahrt über rund 1800 Kilometer von Frankfurt (Oder) nach Perpignan hatte sich gelohnt. Und dies trotz 40 Grad Celsius im Schatten, Maut auf der französischen Autobahn und unzähliger Kreisverkehre. Das Navy führte uns sicher zum Mittelmeer in eine faszinierende Stadt mit spannenden Fotoreportagen.
Jährlich findet zum Sommerausklang in Perpignan das größte Festival des internationalen Fotojournalismus statt. Gezeigt wurden gesellschaftliche und politische Reportagen aus der ganzen Welt. Unter dem Titel „Sur la Route des Roms“ fotografierte David Geiss das entbehrungsreiche Leben der Roma in Rumänien. Eine Reportage von Joel Espei über die Falkenjagd in der Mongolei beeindruckte durch kontrastreiche Farben und einfühlsame Porträts von Menschen in ungewöhnlicher Landschaft. Der Fotojournalist Alain Riere lebte unter einfachen Menschen in Havanna und bildete sie ab. Die Anzahl der Ausstellungen war überwältigend.
Bei einem Glas Roséwein und Käse verschnauften wir und diskutierten über Fotojournalismus und aktuelle französische Ereignisse. Thema Nummer eins waren Burkinis, eine Badebekleidung für muslimische Frauen, die der Burka ähnelt. Nach dem terroristischen Anschlag auf der Strandpromenade in Nizza bei dem am 14. Juli 2016 von einem Moslem 86 Menschen getötet wurden, verboten viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Mittelmeerregion das Tragen des Ganzkörper-Badekleids. Das oberste Verwaltungsgericht kippte diese Entscheidung. Durch das Tragen des Burkinis würde keine Gefahr für die Öffentlichkeit drohen.
Welche Position sollten die Fotojournalistinnen und -journalisten einnehmen? Sie sollten authentisch berichten, lautete die gemeinsame Antwort am Restauranttisch. Hätten dabei eine hohe ethische Verantwortung.
Erfrischt geht es weiter zur nächsten Ausstellung. Isabelle Istasse zeigte eine Reportage über Schafe. Langweilig? Gar nicht. Durch Grautöne und gute Kameraposition wirkten die Bilder sehr intensiv. Sogar beruhigend gegenüber den kreischenden Farben auf vielen Fotos. Die Veranstaltenden nutzten Galerien, Friseurläden, Schuhläden, Kirchenräume, Buchhandlungen zum Präsentieren der Bilder.
Für Ortsunkundige war es unmöglich, alle Ausstellungsorte zu finden. Viele Fotos litten unter benachbarter Werbung oder ausgestellten Konsumartikeln. Positiv ist zu vermerken, das in diesem Jahr wieder die besten Fotos des World Press-Wettbewerbs ausgestellt waren. Im vorigen Jahr weigerte sich der Festivalchef Jean-Francois Leroy diese auszustellen. Das Siegerfoto zeigte ein Homopaar. Homophobie sei nicht so ein wichtiges Thema wie Syrien, Irak, Afghanistan und so weiter, sagte damals der Chef. Außerdem könne er keine Bilder mehr sehen, bei denen mehr als tausend Worte zur Erklärung erforderlich wären. Das Siegerfoto in diesem Jahres benötigt keine tausend Worte zur Erklärung. Es zeigt einen syrischen Flüchtling, der in der Nacht sein Kind durch den Stacheldrahtzaun an der ungarischen Grenze reicht.
Nachdenklich zogen wir Richtung Mittelmeer, um in den Fluten die intensiven Eindrücke des Festivals zu verarbeiten und Kraft für die Rückfahrt zu schöpfen.