Welche neuartigen Lerntechniken Kindern in der Schule helfen

neuartigen Lerntechniken für Kindern
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Sie arbeiten in der Schule als Lehrkraft, zu Hause mit dem eigenen Nachwuchs oder im Rahmen einer Nachhilfe und suchen neuere Möglichkeiten, beim Lernen zu helfen? Einige werden Ihnen vertraut sein, andere sind Ihnen vielleicht unbekannt. Für unterschiedliche Schülerinnen und Schüler eignen sich ebenso unterschiedliche Techniken. Das soll exemplarisch an drei Lernmethoden gezeigt werden.

Vorab ein Gedanke zum Thema Motivation

Es ist unpopulär und gegen den Zeitgeist. Dennoch oder gerade deshalb muss es gesagt werden: Lernen macht nicht immer Spaß. Häufig müssen zuerst Trägheit und Unlust überwunden werden. Spaß macht es aber, wenn man etwas kann, es beherrscht. Sie dürfen einem Kind ruhig sagen, dass Sie sich seinen Unwillen vorstellen können, es aber toll ist, wenn es Neues wirklich begriffen hat. Der Unterricht wird viel interessanter, es gibt mehr Beachtung und nicht zuletzt gute Noten und damit weiteren Ansporn.

 

Lerntypen

Frederic Vester hat im Jahre 1975 die Unterscheidung in vier Lerntypen eingeführt: in den visuellen, den auditiven, den motorischen und den kommunikativen. Dieses Modell orientiert sich im Wesentlichen an der Beteiligung der Sinnesorgane bei der Aneignung neuen Wissens. Die zeitgemäße Herangehensweise ist dagegen, Charakter und Verhalten der Lernenden zu beobachten, um zu sehen, wie ein Stoff am besten verstanden und gefestigt wird. Ist ein Kind eher der logisch-abstrakte Typ, der sicherheitsliebende, der emotionale oder der kreativ-chaotische? Natürlich sind das nur Hilfskonstruktionen. Jeder Mensch ist ein Individuum. Typen kommen niemals in Reinkultur vor, aber diese Einteilung kann Ihnen helfen, die jeweils Erfolg versprechende Lerntechnik zu erkennen.

Logisch-abstrakt: die Ehrgeizigen

In den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) erbringen diese Schüler und manchmal auch Schülerinnen die besten Leistungen. Sie sind ehrgeizig, gut organisiert und aufmerksam, selbstständig und zielstrebig, eher Einzelgänger als Teamworker. Es mangelt ihnen oft an Geduld und Einfühlungsvermögen. Wettbewerb und Kritik dienen als Antrieb.

Sicherheitsliebend: die Fleißigen

Auch diese Kinder sind sehr ordentlich und gewissenhaft. Allerdings sind sie introvertiert und im Schriftlichen besser als im Mündlichen. Auswendiglernen, Wiederholungen und Routinen langweilen sie nicht, im Gegenteil. Sie lieben feste Lernrituale. Die Beteiligung am Unterricht lässt in vielen Fällen zu wünschen übrig, denn ihre Zurückhaltung und ihr manchmal ängstliches Bedürfnis nach Perfektion stehen ihnen im Weg.
Diese zwei Charaktere sind die angepassten und artigen. Die traditionellen Lehrmethoden, vor allem Frontalunterricht, und die Vorgehensweisen in der ganz normalen Schule sind für sie günstig. Sie müssen ermuntert werden, auch mal ungewohnte Schritte zu wagen, Fantasie zu entwickeln und sich zuzutrauen, eigene Lösungen zu finden. Anders sieht es bei den nächsten beiden Charakteren aus. Sie können anstrengend sein, haben aber ein großes Potential, wenn ihnen die für sie richtige Lerntechnik angeboten wird. Sie benötigen Anleitung zu Klarheit, Ruhe und Regelmäßigkeit.

Emotional: die Sensiblen

Kinder, bei denen diese Eigenschaft dominiert, sind kommunikativ, einfühlsam, können durchaus erfinderisch sein, reagieren aber auch sehr sensibel auf Kritik, Zurecht- und Zurückweisungen. Lob und Ermutigung motivieren sie. Mit konventionellem Unterricht haben sie oft Schwierigkeiten, vor allem, wenn nicht auf sie individuell eingegangen wird. Sie neigen zu Selbstzweifeln und leiden sehr schnell unter schlechten Noten.

Kreativ-Chaotisch: die Übersprudelnden

Sie haben viel Fantasie und können sich in Wort wie Schrift gut artikulieren. Sie sind neugierig, lieben Abwechslung und ungewöhnliche pädagogische Herangehensweisen, überhaupt innovative Einfälle. Sie sind der Gegenentwurf zu den Sicherheitsliebenden, und im Unterschied zu den Emotionalen sind sie nicht leicht zu entmutigen. Sie beteiligen sich aktiv am Unterricht, denn sie haben keinen Hang zu ängstlichem Perfektionismus, sind lebhaft und mitteilsam.

 

Was nützen diese Erkenntnisse?

Sie lassen erkennen, wo das Potential des einzelnen Kindes steckt, und sie zeigen auf, wo schlummernde Talente geweckt werden wollen. Zum Beispiel benötigen logisch-abstrakt begabte Kinder Förderung der Kreativität. Sicherheitsliebende brauchen Ermutigung, emotionale Anerkennung und Lob, die kreativ-chaotischen Beruhigung, Selbst-Organisation und Selbst-Disziplin.

 

1. Mindmap

Die Kreativ-Chaotischen sind von dieser Lerntechnik begeistert. Ihr Einfallsreichtum liefert die Ideen, die zugleich visualisiert und strukturiert werden. Diese Gedanken- oder Gedächtnislandkarte wird erstellt, indem die Thematik, um die es geht, in die Mitte eines großen Blattes Papier geschrieben und eingekreist wird. Linien führen von dort aus zur Benennung der Unterthemen, dann immer dünner werdende Verästelungen zur nächsten Unterebene. So geht es weiter in zunehmend feineren Abzweigungen. Der Fantasie wird freier Lauf gelassen und nichtsdestotrotz die Gedanken geordnet. Als Gruppenübung ist die Erstellung einer Mindmap eine wunderbare Gelegenheit, alle Lerntypen einzubeziehen und sie sich gegenseitig durch ihre unterschiedlichen Kompetenzen ergänzen zu lassen. Die Emotionalen werden belastbarer, die Sicherheitsliebenden müssen einmal nicht perfekt sein. Die Logisch-Abstrakten können ihrer Vorliebe zum Organisierten und Stringenten frönen und gleichzeitig lernen, als Teil eines Teams etwas zu konzipieren.

 

2. Kärtchen

Diese Lerntechnik ist schon länger bewährt. Sie ist vor allem für das Üben von Vokabeln ideal. Auf die eine Seite wird das neue Wort oder, noch besser, ein neuer Satz in der Fremdsprache geschrieben, auf die andere die Übersetzung. Nach und nach wird jedes Kärtchen zur Hand genommen. Wenn die Lösung stimmt, kommt es auf einen Stapel, der allmählich wächst, während der mit dem noch nicht beherrschten Wortschatz zusammenschmilzt.
Das individuelle Lernen sagt den Logisch-Abstrakten zu, den Sicherheitsliebenden gefallen die Wiederholungen und die festen Regeln. Die Emotionalen gewinnen an Selbstbewusstsein, denn sie sehen ihre Fortschritte deutlich. Die Kreativ-Chaotischen profitieren von der beruhigenden Struktur. Überdies kommt ihnen entgegen, dass sie kleine Kärtchenstapel mitnehmen können, um immer dann, wenn sie eine Pause zwischen ihren zahlreichen Aktivitäten haben, eine schnelle Übungsrunde einzuschieben. Die logisch-abstrakten Individualisten mit ihrem guten Gedächtnis und ihrer ausgeprägten Fähigkeit zur räumlichen Orientierung können daraus (gern mit Hilfe der pfiffigen Kreativ-Chaotischen) ein Memory in ähnlicher Art machen. Sie spielen es allein oder mit Siegesambitionen zu zweit. Nicht Vorder- und Rückseite werden beschriftet, sondern nur jeweils eine, um die passenden Paare zu finden. Die Emotionalen nutzen diese Lerntechnik als Solitär-Spiel.

 

3. Etwas vortragen mit anschließender Frage-und-Antwort-Runde

liegt vor allem den kommunikationsstarken und nicht scheuen Kreativ-Chaotischen. Alles muss natürlich erst verstanden werden, bevor es der Klasse vorgetragen wird und Fragen der Mitschülerinnen und -schüler beantwortet werden. Nicht immer wird die Präsentation makellos sein, aber informativ, lebhaft und lustig. Das, was Lernende selber und weitestgehend eigenständig tun, behalten sie besonders gut im Gedächtnis.

Die neueren Ansätze ziehen in Betracht, dass verschiedene Lerntechniken für unterschiedliche Charaktere geeignet sind. Nutzen Sie die Stärken der einzelnen Kinder. Fordern Sie sie auch, damit sie die Chance haben, Fertigkeiten zu entwickeln, die sie nicht sowieso schon haben. Leistung und Spaß, beides ist förderlich. Finden Sie das rechte Maß.

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